• Sarah

Kitsch oder altes Brauchtum: die Weihnachtsgurke

Ein Bierkrug, eine Weißwurst, König Ludwig und ein Wolf, ein Grill, ein Motorrad, Pommes und ein Burger, ein golfender Weihnachtsmann und eine Kitchen Aid. Ein Flamingo, ein Nussknacker, eine Popcornmaschine und Sissi, die Kaiserin von Österreich.




Funkelnd, mit viel Glitzer und detailgetreu bemalt hängen sie da - in manchen Familien bereits ab dem Beginn der Weihnachtszeit, bei den meisten jedoch erst ab dem Heiligen Abend bis zum 6. Januar - die Weihnachtskugeln am saftig grünen Weihnachtsbaum.


In den vergangenen Jahren wurden die Kugeln immer verrückter und viele Manufakturen haben sich darauf spezialisiert außergewöhnliche Kugeln in Form von Figuren zu verkaufen. Diese finde man dann auf dem Weihnachtsmarkt und in Dekorationsgeschäften.



Eine Form, die es allerdings bereits schon viele Jahrzehnte gibt ist unglaublicherweise die Gewürzgurke, im englischen Christmas Pickle. Denn anders als von vielen angenommen, gehört sie nicht zu dem neuen Trend Weihnachtskugeln in den lustigsten Formen herzustellen. Ihre Geschichte ist eine ganz andere.


In den USA ist es Brauch zu Weihnachten die „Christmas Pickle“ im dichten, grünen Astwerk des Weihnachtsbaums zu verstecken. Derjenige, der sie als erstes entdeckt, bekommt ein zusätzliches Geschenk. Um den Schwierigkeitsgrad des Spiels zu erhöhen oder zu erleichtern, werden sie in verschiedenen Größen angeboten.


In Deutschland war dieser Brauch bis vor kurzem unbekannt - ganze 91 % aller Befragten des britischen Marktforschungsinstituts YouGov, verneint bei der Frage, ob sie den Brauch kennen - trotzdem wird er in den USA als urdeutsche Tradition beschrieben.


Gehen wir den bisherigen Forschungen zur Herkunft des Brauchs doch einmal auf den Grund:


In einem Katalog von 1909 der Firma Lyra Fahrrad Werke aus Prenzlau, Brandenburg fand man tatsächlich schon ein Christbaumsortiment, das eine Weihnachtsgurke enthielt.

Eine Legende besagt, dass der in Bayern geborene John Lower als Soldat im Amerikanischen Bürgerkrieg 1864 festgenommen worden war und am Heiligen Abend verhungert oder sterbenskrank um eine saure Gurke bat. Dank dieser überlebte er und feierte fortan Weihnachten mit einer Gurke am Baum.


Ein andere Legende besagt, dass saure Gurken bei armen Leuten im Spreewald als Weihnachtsschmuck dienten, da man sich nichts anderes habe leisten können.


Ebenso von armen Leuten erzählt auch diese Herkunftstheorie, welche besagt, dass nicht jedem Kind ein Geschenk gemacht werden konnte und deshalb nur derjeniger, der die Gurke zwischen den Zweigen fand, eines bekommen hat.


Etwas gruseliger geht es bei der Geschichte rund um den Nikolaus zu, nach welcher dieser 3 tote Jungen in einem Gurkenfass wieder zum Leben erweckte, nachdem diese von einem Herbergsvater bestohlen und im Gurkenfass ertränkt wurden.


Eine sehr wahrscheinliche Theorie, welche sich um die Kaufhauskette Woolworth dreht, ist diese:


In den 1840er-Jahren fingen deutsche Glasbläser aus Lauscha in Thüringen an, Ornamente in Form von Früchten, Gemüse und Nüssen zu fertigen – darunter auch die Gurke. Während eines Deutschlandbesuchs sah der Gründer von Woolworth Frank Winfield Woolworth diese und importierte diese ab 1880 nach Amerika, um sie zu Weihnachten in seinen Kaufhäusern zu vermarkten. Die Geschichte um den deutschen Brauch kam als Marketingtrick obendrauf.

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